Selbstverständnis

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Grüner Campus interviewt Grüner Campus.

Ihr sagt, ihr seid in verschiedenen Initiativen aktiv und eher projektorientiert. Was meint ihr damit?

Viele von uns sind bei UniSolar Potsdam e.V. aktiv, engagieren sich im KuZe oder im freiLand. Weiterhin meinen wir mit „projektorientiert“, dass wir die Projektgruppen als wichtigen Teil der Hochschulpolitik sehen und fördern wollen. Die Arbeit des KuZe, des FreiLand und von UniSolar bereichern die Studierendenschaft durch z.B. Stärkung der studentischen Kultur oder des Umweltbewusstseins an der Uni. Die Projekte leben besonders von unser aller Engagement und nicht nur davon, dass Geld fließt. Daher sehen wir unsere Aufgabe darin, innerhalb dieser Projekte zu wirken und zu arbeiten, was u.a. auch viel Spaß machen kann. Wir wollen so auch viele Studis an die Projektgruppen heranführen und Mut zum mitmachen fördern.

Inwiefern seht ihr euch als „(hochschul-)politisch“?

Wir alle setzen uns mit sozial-ökologischen Problemstellungen an der Uni, in dieser Stadt und weltweit auseinander. Dabei beziehen wir auch klare politische Positionen. Wir empfinden das heutige (Studi-)Leben als Farce, in der immer mehr Bereiche dem Leistungszwang unterworfen werden. Dabei geht diese Ökonomisierung des Lebens Hand in Hand mit der ökologischen Krise. Je schneller die Verwertung des Lebens vonstattengeht, desto mehr Ressourcen werden verbraucht und desto unsolidarischer ist der Umgang miteinander und mit der Umwelt bzw. Natur. Diese Entwicklung bringt ein Konkurrenzprinzip hervor, das in Diskriminierungen aller Art mündet. Wir wollen uns in Projekten engagieren, die Alternativen dazu aufzeigen und leben.

Das heißt für uns konkret:

  • wir sind für eine Entschleunigung des Studi-Alltags, d.h. dass wir drohenden Studiengebühren erst gar keine Chance lassen; studentische Hilfskräfte fair entlohnt und die Studienordnungen entzerrt werden sollten
  • wir sind gegen jegliche Diskriminierungen und fordern z.B. einen repressionsfreien Umgang miteinander, d.h., dass wir Kampagnen gegen Sexismus und Rassismus an der Hochschule fördern und uns darüber hinaus mit anderen Initiativen vernetzen
  • wir fordern eine sozial-ökologische Wende an der Hochschule, beispielsweise mittels der Einführung eines Umweltmanagementsystems (die u.a. von uns initiierte Umweltkommission ist ein erster Schritt)
  • wir wollen Freiräume wie das FreiLand, aber auch auf dem Campus fördern (wir stehen hinter dem Kooperationsvertrag zwischen FreiLand und Studierendenschaft), um kreative Räume des solidarischen Miteinanders entstehen zu lassen.
  • Ihr sprecht von einer selbstbestimmten Studierendenschaft? Was ist das?

    Die Selbstbestimmtheit der Studierendenschaft hat für uns mehrere Ebenen:

    Die verfasste Studierendenschaft:

    Glücklicherweise haben wir in Potsdam ein vom Hochschulgesetz verbuchtes Recht auf die Organisation der Studierendenschaft, und somit die Erhebung von Studi-Beiträgen, aus denen sich die ganzen Strukturen der studentischen Selbstverwaltung finanzieren lassen. Ohne diese finanziellen Mittel wäre gar nichts möglich: Das heißt: alle Fachschaftsratsarbeit, alle kleinen und großen Beratungsangebote durch den AStA und Förderungen von Studi-Projekten würden wegfallen. Für die Semesterticket-Verhandlungen gäbe es keinen Verhandlungspartner mehr. Jede Einschränkung der finanziellen Eigenständigkeit der Studierendenschaft z.B. durch Kürzungen der Studi-Beiträge ist somit eine Gefahr für diese wichtigen Strukturen und der produktiven Arbeit der Studierendenvertretungen.

    Die ernstzunehmende Studierendenschaft:

    Die Erfahrung in den Hochschulgremien zeigt, dass es oft schwierig ist, in den hierarchischen Strukturen einen Platz auf gleicher Ebene zu finden. Schnell werden Studis eher als zu umsorgende Kinder oder als lästige Störenfriede oder gar als Kund_innen und damit rein ökonomisch betrachtet. Bei aller Exzellenztaumelei können wir das schon nachvollziehen, hilfreich für ein faires und demokratisches Miteinander ist das aber nicht. Wir wollen dagegen selbstbewusst in Gremien und außerhalb auftreten und in sachlicher und konstruktiver Weise sowohl Konflikte und Kooperation nicht scheuen.

    Die politische Studierendenschaft:

    An der Uni Potsdam sehen wir zwei Säulen der Hochschulpolitik: Die u.a. beratende Funktion der Fachschaftsräte und die vielen Hilfsangebote des AStAs erbringen den Studierenden eine wichtige „Dienstleistung“, um den Studi-Alltag zu meistern. Dabei bleibt es aber nicht. Einerseits, weil viele kleine Probleme der Studis politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen unterliegen (z.B. macht Bekämpfung von Rassismus nur an der Hochschule keinen Sinn, wenn wir den alltäglichen Rassismus außerhalb der Hochschule in unseren politischen Forderungen ausklammern). Andererseits verstehen wir die Hochschule als einen Teil der Gesellschaft (statt einer akademischen Blase), in der die Hochschule eine wichtige Verantwortung über- nimmt: Sie bildet junge Menschen aus, und prägt damit ganze Gesellschaftsgruppen. Damit hat auch die Studierendenschaft als Teil der Hochschule eine gesellschaftliche Verantwortung. Viele Studierende nehmen diese auch schon wahr, engagieren sich in Initiativen und machen „Politik“. Nur logisch, dass eine verfasste Studierendenschaft diese gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt und auch nach außen hin wirkt.
    Als Beispiel fängt das dabei an, die Umweltauswirkung der Hochschulen zu thematisieren und hört bei der Kritik an unserem heutigen Energiesystem auf. Denn eine „Ökoblase Hochschule“ hilft wenig, wenn die Probleme außerhalb ignoriert werden. Nur mit diesem gesellschaftlichen, ganzheitlichen Blick, haben Studierendenschaften schon mehrfach in der Vergangenheit (60er, 70er) viel Wind in die Gesellschaft gebracht und Bewegungen befeuert, die uns viele Freiheiten gebracht haben. Das gab auch immer schon viel Ärger, weil jede Bewegung in der Gesellschaft eine Gefahr für verkrustete, etablierte Strukturen ist. Durch das Verbot des allgemeinpolitischen Mandats von Studierendenschaften vor vielen Jahren wollte die Politik den Studis endgültig den Mund verbieten. Aber genauso wie das studentische Bündnis für Politik- und Meinungsfreiheit (bpm) wollen wir eine politische-vitale Studierendenschaft, die sich als Teil der Gesellschaft sieht und gerne auch mal den Mund auf macht. Dabei erbringen die verschiedenen politischen Hochschullisten eine Art Transparenz, damit wir Studis auf demokratische Weise zwischen diesen verschiedenen politischen Richtungen wählen können.

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