Sushi, Wein und vor dem Streit erstmal einigen – Austral Asians in London Teil 1

Zwei Teams gegeneinander, jeweils drei Redner, 30 Minuten Vorbereitungszeit 3 mal 8 Minuten Reden und dann noch einmal vier. So ein bisschen wie OPD, aber auch wie das Format der Schul-Debattierer: Debatten nach den Austral-Asian-Regeln sind ein interessanter Mix. Und bevor die Redner sich streiten, müssen sie sich erstmal einigen, welches Thema sie Debattieren. Potsdam hat’s ausprobiert, bei den Australs in London.

Wie im Oktober lockt die SOAS als Ort des Streits, wie im Oktober gibt es weder Mittag noch Stift und Block (aber Abends Wein und Bier, als Essen gar Sushi und Pizza) WIe im Oktober fangen wir erstmal eine Stunde zu spät an.

Dafür sind für dieses ungewöhnliche Format einige der besten Debattiere dabei, wie Can Ocar, Oxford Doktorand und Chefjuror der Debattier-WM in Antalya 2009/2010, aber auch TJ ein Debattiertrainer aus Thailand, zwei Finalisten der WM.

Cloud, neben Michael und mir der Dritte im Bunde kennt das Format aus Malaysia und berät uns. Das wichtigste am Anfang: Die Chefjuroren schlagen pro Runde drei Themen vor, zunächst entscheidet sich jedes Team, welche der Motions es ablehnt und dann prioritisert es die anderen beiden. Dann gilt es, das Gegner-Team zu finden und deren Entscheidung zu sehen. Geblockte Themen fliegen raus und das Thema, was übrig bleibt, darüber geht der Streit. Der Vorteil: So filtern sich Motions weg, die einseitig eine Seite bevorzugen (in der Theorie!)

Das ganze wird sportlich, denn nachdem die Themen verkündet sind, müssen wir unsere Gegner heranbrüllen, die klettern wie wir über Tische und Bänke. Dann stimmen wir kurz die Themen ab.

In der ersten Runde treten wir gegen eine Mannschaft aus St. Andrews an, unsere Streitfrage, ist es gut, that we introduce a school voucher system. Wir fokussieren uns auf den Wettbewerb, der die Schulen verbessern würde, die Fairness, denn so könnten sich mehr Eltern Privatschulen leisten Die Gegner konzentrieren sich darauf, dass einige Kinder dann hinten ganz runter fallen würden und es außerdem die Segregation verbessern würde. Der Juror befindet, dass sie die klarere Analyse liefern und gewinnen.

Für die zweite Runde ändern wir die Strategie, Cloud meint, wir gewinnen die nächste Debatte einfach – wir hoffen, dass unsere nächsten Gegner nicht dieselbe Strategie verfolgen.

Asia by the Storm heißt der folgende Kontrahent, der möchte wie wir debattieren, ob die Allianz der ASEAN States Sanktionen gegen Burma verhängen sollte. Wir sind dagegen, uns müssen erklären, warum Sanktionen dieser asiatischen EU nichts bringen. Unsere Gegner kommen aus der Region (Thailand und den Philippen). Die Debatte wogt hin und her und macht wirklich Spaß, am Ende geht Clouds Strategie auf, wir gewinnen die Debatte – allerdings sehr sehr knapp. Zum Lunch huschen wir in die umliegende Läden oder Snacks.

Übrigens gibt es sowohl Rednerpunkte als auch Siegpunkte, ein Mix aus OPD und BPS, die Teams, welche die gleiche Siegpunkte haben, treten immer gegeneinander an (eine Art Powerpairing)

Die dritte und letzte Runde führt uns gegen ein Team der London School of Economics (LSE), einer ihrer Redner stand kürzlich im Finale der DebattierWM. Alle drei Themen drehen sich um Sex: Entweder Beschneidung verbieten, die Nachfrage statt das Angebot nach käuflichem Sex bestrafen oder die Vielehe erlauben. Wir sind per Los dagegen und entscheiden uns dafür gegen die Vielehe zu sein.

Die Jungs der LSE gewinnen klar – scheinbar verfolgen sie die gleiche Strategie wie wir – die Debatte gewinnen. Sie sagen, dass sei der freie Wille der Menschen, die doch entscheiden könnten, was sie wollten und kaum Gewicht finden unsere Argumente, dass der Steuerzahler nicht jeden Wunsch der Menschen unterstützen. Trotzdem macht die Debatte Spaß.

Gleich danach gibt es Sushi, Pizza und jede Menge Alkohol, alles gratis. Danach geht es ins Quartier eines Orgas, wo wir mit 2 anderen nächtigen. Unser Gastgeber, obwohl Inder hat aber die Heizung ausgestellt wodurch nachtens sibirische Romantik aufkommt, was die Temperatur angeht. Aber egal, nur die harten kommen in den Garten.