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IT-Gipfel am HPI: Kritik unerwünscht

Heute fand am HPI der groß-inszenierte nationale IT-Gipfel statt.
Schon im Vorfeld war abzusehen, dass es dabei nicht um Inhalte oder gar um eine Diskussion von Fragen der Informationsgesellschaft gehen wird, sondern um eine Selbstdarstellung von Bundesregierung und großer Wirtschaft. — Zivilgesellschaftliche Gruppen und Datenschützer erscheinen irrelevant und wurden erst gar nicht eingeladen.

Um auf die fragwürdige Einladungspolitik aufmerksam zu machen, hängten Studierende ein Plakat mit der Aufschrift “IT-Gipfel ohne uns?!” aus dem Fenster des Fachschaftsrats-Büros im benachbarten Uni-Gebäudes. Kurz darauf drang ein Hausmeister der Universität (!) in das Büro ein, weil er “Anweisung von ganz oben, nämlich von Hasso Plattner persönlich” hatte das Plakat SOFORT zu entfernen, sonst gäbe es “Ärger”.

Das Plakat Das Enfernen

Das HPI spielt bei der Inszenierung also fleißig mit und verkauft sich souverän als “einziges vollständig privat finanziertes Uni-Institut” mit selbstgeschaffenem Elite-Anspruch. Damit die Idylle keine Risse bekommt wird nicht nur bei den Studierenden besonders gut aufgepasst: selbst von den akkreditierten Journalisten durften nur ausgesuchte auch ins Gebäude und an der Abschlussveranstaltung teilnehmen — alle anderen mussten die Reden im Fernsehen verfolgen.

Über Inhalte gibt es erwartungsgemäß wenig zu berichten; sehr schön zusammengefasst wurden sie schon von Felix von Leitner — treffender kriegen wir es auch nicht hin:

Und nein, mein Kritikpunkt ist nicht, daß da keine Mittelständler sind, sondern daß die Regierung Milliarden verplempert, während bei unseren Schulen der Putz abbröckelt und die Bibliothek samt Büchern von Freiwilligen finanziert werden müssen. Hört endlich auf, T-Systems und Konsorten Steuergelder zu geben, dann können die geordnet pleite gehen, und gut ist. Entgegen anderslautender Berichte gibt es in Deutschland auch konkurrenzfähig IT-Firmen, die ohne Förderung überleben können.

Boah und das wird ja immer besser: Hasso Plattner himself hält eine Rede, und schiebt darin die Schuld für das Totalversagen unserer IT-Branche … dem Atomausstieg in die Schuhe. Ich beantrage hiermit die Einführung eines Straftatbestandes “Bauernfängerei”. Und wenn er schon dabei ist, dann findet er auch, daß die Steuern abgeschafft gehören; in China sei es den jungen Leuten erlaubt, reich zu werden. Ich denke mal, er stellt sich das so vor, daß wir die aktuellen Steuereinnahmen kurz unter den IT-Großkonzernen verteilen, und dann Steuern abschaffen. Oder so.

Das Podium beim IT-Gipfel
(Bild von Jonas Witt)

Ein (vielleicht einziges) handfestes Ergebnis des Tages sind 1,2 Milliarden Euro, die die Bundesregierung für die IT-Branche ausgeben will (Tagesspiegel). Wohlgemerkt für die Industrie — also nicht etwa für Hochschulen oder gesellschaftliche Initiativen. Wie die Verteilung solcher Großprojekte an Branchengrößen dann aussieht, lässt sich beispielhaft am Projekt Quaero Theseus (Kostenpunkt: 400 Mio. Euro, Vergabe ohne Ausschreibung) sehen.

Links:

[Update 9.1.07]

Die Grünen hatten im Bundestag eine kleine Anfrage zum IT-Gipfel gestellt. Die Antwort darauf ist jetzt eingetroffen; netzpolitik.org hat daraus zum schönsten Satz gekürt:

“Aspekte des Daten- und Verbraucherschutzes der RFID-Technologie waren auf dem IT-Gipfel nicht Gegenstand der Arbeitsgruppe “verbraucherfreundliche Anwendungen””.

5 Kommentare »

  1. 1

    Stefan schrieb,

    20. Dezember 2006 @ 11:33

    Ich möchte dem nur hinzufügen, dass in der Tagesschau vom 18. Dez. 2006 im Bezug auf das HPI sogar von der “ersten deutschen privat finanzierten Universität” die Rede ist…
    [http://www.tagesschau.de/sendungen/0,,OID6212338_,00.html]

  2. 2

    Daniel schrieb,

    6. Januar 2007 @ 15:18

    Tja, dann seid froh, dass ihr hier nicht studiert. Bei einer geplanten Pflichtveranstaltung im Grundstudium, an dem IFI (Institut für Informatik) und HPI gemeinsam teilnehmen sollten, wurden in der 2. Vorlesung alle 87 IFI’s rausgeschmissen. Dem Professor war es zuviel. Aber das ist noch nicht alles.
    Es fand sich eine Professorin, die die Vorlesung kurzerhand übernahm, und wollte Do im Vorlesungsgebäude (was dem HPI gehört) eine Ersatzveranstaltung anbieten. Da die dort aber in unregelmäßigen Abständen Kolloqiums veranstalten, hat man es uns ganz untersagt, sodass wir jetzt auf dem Flur lernen dürfen, oder keine Vorlesung stattfindet.
    So sind sie die HPI’ler, völlig elitär in Denken und Handeln, und freie Meinungsäußerung mögen die halt nicht.

  3. 3

    Björn Ruberg schrieb,

    9. Januar 2007 @ 16:44

    Na also komm, ein bisschen differenzieren bitte.
    Was die HPI-Leitung macht (die man wohl als elitär bezeichnen kann) und wie die Studierenden sind, sind wohl völlig unterschiedliche Dinge.
    Du kannst nun wirklich nicht Entscheidungen der HPI-Leitung auf “die HPIler” übertragen. So mancher HPIler mag seine Institutsleitung nämlich auch nicht.

    Der Herr Hasso-Plattner lebt halt in einer anderen Welt, in der der Schein sehr viel zählt. Sympathien weckt er mit solchen Aktionen sicherlich nicht.

    Und das Kolloquium am Donnerstag ist nunmal so. Jede Uni hat so ein Kolloqium, das gehört dazu. Sinn macht es meist nicht, Studierende werden ständig angefleht, dahin zu gehen, weil die Hörsäle sonst leer sind.
    Dennoch gibt es die Kolloquien um jeden Preis. Schließlich braucht Professoren einen Grund, in der Republik rumzureißen. (der wissenschaftliche Austausch der dadurch entsteht soll ja auch positiv sein)
    Donnerstagnachmittag dürfen deswegen keine Kurse stattfinden, finden die HPI-Studis auch blöd, ist aber so.

    Übrigens habe ich nichts gegen freie Meinungsäußerung und ich kenne auch keinen Kommilitonen, der etwas dagegen hat.

  4. 4

    Martin schrieb,

    12. Januar 2007 @ 12:43

    Der Kritikpunkt ist ja nicht dass es ein Kolloqium gibt.
    Der Kritikpunkt ist, dass für das Kolloqium ein ganzer Hörsaal reserviert ist (anstatt es in einen Seminarraum zu verlegen), während dessen eine große Vorlesung auf dem Flur stattfinden muss.

    Dass jede Kritik am HPI als solchem zuerst gegen die Entscheidungsträger richtet ist hoffentlich klar.
    Aber Studierende sind auch Teil eines Instituts; und solange sie sich nicht hörbar selbst zu Wort melden fällt eben auch die Außenwirkung des Instituts immer auf sie zurück.

  5. 5

    Horst schrieb,

    27. November 2008 @ 14:55

    Ach wie toll diese links gerichtete Berichterstattung doch immer ist. :)

    Und keinen interessierts.

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